Braun werden mit Karottensaft: Funktioniert das wirklich?
Kaum ein Mythos hält sich so hartnäckig wie die Behauptung, man könne durch das Trinken von Karottensaft braun werden. Klingt erstmal ziemlich unrealistisch. Tatsächlich steckt aber mehr dahinter – nur eben nicht ganz so einfach, wie es in den meisten Kurzversionen dieses Themas dargestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
Der Stoff, um den es geht: Beta-Carotin
Karotten verdanken ihre kräftige orange Farbe einem sekundären Pflanzenstoff namens Beta-Carotin, der zur Gruppe der Carotinoide gehört. Der Körper kann Beta-Carotin bei Bedarf in Vitamin A umwandeln, das unter anderem für die Zellerneuerung der Haut verantwortlich ist. Was der Körper nicht sofort in Vitamin A umwandelt, wird stattdessen in den Fettzellen unter der Haut eingelagert – und genau an dieser Stelle beginnt die Sache mit der Bräunung.
Wird über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Beta-Carotin aufgenommen, als der Körper verarbeiten kann, reichert es sich in der Haut an und verleiht ihr einen gelblich-goldenen bis leicht bräunlichen Ton. Wichtig dabei: Dieser Farbton entsteht unabhängig von Melanin, dem Pigment, das für die klassische Sonnenbräune verantwortlich ist. Wer also durch Karottensaft "braun" wird, erzeugt genau genommen eine andere Art von Hautfärbung als beim Sonnenbaden – meist erkennbar an einem etwas wärmeren, orangen statt braunen Unterton.
Wie viel Karottensaft ist dafür nötig?
Ein Glas Karottensaft am Vorabend eines Events bringt beispielsweise gar nichts – der Effekt braucht Zeit und vor allem Geduld. Grundsätzlich orientiert man sich an einer täglichen Aufnahme von mindestens 30 Milligramm Carotinoiden, was in etwa zwei Gläsern frisch gepresstem Karottensaft entspricht. Wer diese Menge über mehrere Wochen hinweg täglich zu sich nimmt, kann nach ungefähr vier Wochen einen sichtbaren, leicht goldenen Teint erkennen.
Ein kleiner Tipp am Rande: Da Carotinoide fettlöslich sind, kann ein Schuss Pflanzenöl im Saft die Aufnahme im Körper deutlich verbessern – pur getrunken geht ein Teil des Beta-Carotins ungenutzt wieder verloren.
Kann man zu viel Karottensaft trinken?
Wer es mit dem Karottensaft besonders gut meint, kann eine sehr orange Hautfarbe entwickeln – ein Zustand, der medizinisch als Carotinämie bezeichnet wird. Besonders häufig betrifft das kleine Kinder, deren Eltern es mit Karottenbrei und -saft sehr gut meinen. So ungewöhnlich der Name klingt, so harmlos ist es aber in der Regel: Beta-Carotin gilt als weitgehend unbedenklich, und die überschüssige Einlagerung verschwindet von selbst wieder, sobald weniger Karotten in welcher Form auch immer konsumiert werden.
Für wen sich diese Methode eher nicht eignet
Die Methode ist zwar harmlos, doch sie eignet sich nicht für jeden. Wer für einen speziellen Anlass in wenigen Tagen eine sichtbare Bräune haben möchte, wird mit Karottensaft enttäuscht werden – bis damit eine Bräune entsteht, dauert es mehrere Wochen. Auch wer eine klassische Sonnenbräune möchte, sollte seine Erwartungen runterschrauben: Die Bräune mit Karottensaft sieht eher gelblich-orange aus und wirkt bei manchen Menschen weniger natürlich.
Wer zudem empfindlich auf größere Mengen Rohkost oder Fruchtsäuren reagiert, etwa mit Sodbrennen oder Verdauungsbeschwerden, sollte die tägliche Menge Karottensaft lieber langsam steigern, statt von Null auf mehrere große Gläser am Tag umzusteigen.
Weitere Wege zu einer gebräunten Haut ohne Sonne
Karottensaft ist lange nicht die einzige Möglichkeit, ohne UV-Strahlung eine gebräunte Haut zu bekommen. Ein Überblick über die gängigsten Alternativen:
Selbstbräuner wirken über eine chemische Reaktion mit den obersten Hautzellen und entwickeln die Bräune meist schon nach wenigen Stunden. Der Farbton hält dafür aber auch nur maximal eine Woche und erfordert eine sorgfältige, gleichmäßige Anwendung, um Flecken oder einen Orangestich zu vermeiden.
Bräunungskapseln funktionieren im Kern nach demselben Prinzip wie Karottensaft: Sie enthalten Beta-Carotin und andere Carotinoide in konzentrierter Form, die sich nach mehreren Wochen der Einnahme in der Haut einlagern.
Tanning Drops basieren, ähnlich wie klassische Selbstbräuner, auf Dihydroxyaceton (DHA) und werden der gewohnten Feuchtigkeitspflege beigemischt. Die Intensität lässt sich durch die Anzahl der Tropfen gut dosieren.
Pflanzliche Extrakte zur Anregung der Melaninbildung haben einen ganz anderen Ansatz: Statt die Haut nur einzufärben oder Carotinoide einzulagern, sollen bestimmte Pflanzenstoffe die körpereigene Produktion von Melanin anregen – demselben Pigment, das auch für die natürliche Sonnenbräune verantwortlich ist. Ein Beispiel dafür ist die Biovolen Aktiv Pfeffersalbe, die einen Mönchspfeffer-Extrakt enthält.
Lassen sich die Methoden kombinieren?
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mehrere dieser Ansätze parallel zu nutzen, da sie auf unterschiedliche Art und Weise wirken. Wer beispielsweise regelmäßig Karottensaft trinkt und zusätzlich eine Pflege wie die Pfeffersalbe verwendet, kombiniert damit zwei voneinander unabhängige Möglichkeiten, braun zu werden – die Beta-Carotin-Einlagerung in der Haut und die körpereigene Melaninproduktion. Wechselwirkungen zwischen beiden Ansätzen sind nicht bekannt, ein Ausprobieren lohnt sich daher.
Unabhängig von der gewählten Methode gilt: Keine dieser Methoden bietet einen sicheren Eigenschutz vor UV-Strahlung. Wer sich in der Sonne aufhält, kommt um einen Sonnenschutz nicht herum.
Fazit
Der Mythos rund um Karottensaft und Bräune stimmt tatsächlich – nur eben mit Einschränkungen. Wer bereit ist, über mehrere Wochen konsequent Beta-Carotin zu sich zu nehmen, kann einen sichtbaren, wenn auch eher orangen als braunen Teint entwickeln – ganz ohne UV-Strahlung. Wer es schneller oder intensiver möchte, findet mit Selbstbräunern, Bräunungskapseln, Tanning Drops oder Pflegeprodukten wie der Pfeffersalbe weitere UV-freie Alternativen, die sich je nach gewünschtem Tempo und Ergebnis unterschiedlich gut eignen.